Manchmal meldet man sich in bester Stimmung zu Dingen, bei denen man später feststellt, dass die eigene Begeisterung möglicherweise etwas voreilig war.
Erst einmal lief es blendend
Von Mai bis September nahm ich weiterhin 75 mg Venlafaxin, das mir während meines Aufenthalts in der Tagesklinik verschrieben worden war. Meine Stimmung war gut, ich war zufrieden.
Allerdings machte mir mein Blutdruck zunehmend Sorgen. Er schwankte immer wieder zwischen 150 und 160. Deshalb setzte ich das Venlafaxin sehr langsam ab. Blutdrucksenker wollte ich zunächst nicht nehmen, weil meine Werte normalerweise im normalen Bereich lagen. Bei den Plasmaspenden wurden beispielsweise Werte zwischen 110 und 125 gemessen.
Im Sommer hatte ich beim Renovieren ohnehin genug zu tun: tapezieren, streichen und Laminat verlegen. Irgendwann beschloss ich, während dieser Zeit meinen Blutdruck nicht mehr zu messen. Man muss sich schließlich nicht auch noch beim Renovieren mit Zahlen beschäftigen.
Nach dem Absetzen (ca. 27.09.2026) veränderte sich meine Stimmung innerhalb von drei Tagen. Aus einer guten Stimmung wurde eine noch bessere. Das hielt ungefähr vier Wochen an. Ich fühlte mich beschwingt, positiv und hatte jede Menge Energie und Ideen.
Und genau in dieser Phase meldete ich mich im Begleitseminar des Seniorenstudiums für ein Referat.
Die Sache mit dem Referat
So positiv gestimmt, dachte ich offenbar: Warum eigentlich nicht? Dass mein letztes Referat mehr als 45 Jahre zurücklag und ich mich nicht einmal mehr daran erinnern konnte, war in diesem Moment kein besonders großes Hindernis.
Dann kam der 27. Oktober. Innerhalb von drei Tagen fiel meine Stimmung deutlich ab. Aus „blendend“ wurde „Es geht so“.
Eine Woche blieb mir noch, um das Referat vorzubereiten und das Vortragen zu üben. Eine ungewohnte Situation: vor einer Gruppe sprechen, gleichzeitig die eigenen Gedanken sortieren und möglichst nicht den Faden verlieren.
Am 5. November war es dann so weit.

Geschafft ist geschafft
Ich habe mich durchgekämpft und das Referat gehalten.
Die ersten drei Folien passten allerdings nicht zu meinem gesprochenen Text. Gleichzeitig reden, ins Publikum schauen und auf einem fremden Laptop die Folien weiterschalten – das war dann doch etwas viel auf einmal.
Ab der vierten Folie lief es besser. Das wurde mir anschließend auch so zurückgemeldet. Besonders erfreulich war die Fragerunde: Die Fragen konnte ich gut beantworten.
Damit war der Vortrag geschafft. Und ich war vermutlich erleichterter als nach mancher Renovierungsaktion im Sommer.
Mein Fazit
In gehobener Stimmung sollte ich künftig nicht vorschnell zu einem Referat Ja sagen, wenn ich weder Übung darin habe noch überhaupt weiß, worauf ich mich einlasse.
Merke: Nicht jede gute Idee muss sofort in die Tat umgesetzt werden. Schon gar nicht, wenn sie mit einem Vortrag vor Publikum verbunden ist.

