Meine Erfahrungen mit Selbstmordgedanken

Was sind Selbstmordgedanken?

Während einer Depression kann es passieren, das man sehr negative Gedanken im Kopf hat, wie z.B

  • mein Leben ist sinnlos, ich bekomme nichts auf die Reihe
  • mich vermisst eh keiner
  • egal ob es mich gibt oder nicht.
  • ich will nicht mehr, wozu sollte ich?
  • ich will nur noch meine Ruhe, einfach nicht mehr depressiv sein, nichts mehr mitkriegen

Wie gefährlich sind Selbstmordgedanken

Oder die Macht der negativen Gedanken.

Auch wenn es nur Gedanken sind, können sie es initiieren, dass das eigene Leben tödlich endet.
Ja, sie können quasi selbständig werden und man denkt in diesem Moment nicht mehr, sondern handelt nur noch und geht zielstrebig seinem Lebensende entgegen.

Sobald man solche negativen und selbstzerstörerischen Gedanken im Kopf hat, sollte man umgehend versuchen etwas dagegen zu unternehmen.

Es sind sehr mächtige negative Gedanken.

Warum kommt es zu solchen extremst negativen und gefährlichen Gedanken?

Man ist (länger) depressiv und versucht mit Hilfe von Medikamenten aus der Depression rauszukommen, was aber sehr lange dauern kann. Auch muss man erst mal das richtige Antidepressivum für sich finden.
Manche Antidepressiva können auch in der Einschleichphase vorhandene Selbstmordgedanken verstärken und auch erst auslösen. (Bei Fluoxetin steht das sogar als Warnhinweis im Beipackzettel.)
Man gerät in eine negative Gedankenspirale, man wird wie von einem Sog, immer weiter in den Abgrund gezogen.

Was kann man gegen Selbstmordgedanken unternehmen?

Sobald man diese Gedanken bemerkt, sollte man sich an einen Psychiater oder an die nächstgelegene Psychiatrische Ambulanz wenden. Oft erhält man dann für eine kurze Zeit ein Beruhigungsmittel, welches tatsächlich hilft. In vielen Fällen kann auch nur ein Gespräch mit einem Fachmann oder Fachfrau deutlich entlastend wirken.

Nein, man wird nicht sofort in die Psychiatrie zwangseingewiesen.

Der Psychiater kann aufgrund seiner beruflichen Erfahrung mithilfe des Gesprächs und gezielten Fragen herausfinden, wie gefährlich die akute Situation ist. Wenn man Absprache fähig ist, wird er vielleicht sogar anbieten, dass man sich freiwillig in die Klinik begibt.
Nein, man kommt auch nicht sofort und immer auf die Geschlossene Station.

Wenn die Gedanken sehr intensiv sind, kann das eine lebensrettende Maßnahme sein!

Übrigens, Alkohol hilft nicht und kann die Situation entgleisen lassen.

Meine Erfahrungen mit Selbstmordgedanken

Phasenweise habe ich solche negativen Gedanken auch in meinem Kopf und aufgrund meiner Erfahrung mit diesen Selbstmordgedanken, weiß ich in der Regel, was ich wann unternehmen muss. Es ist aber dennoch immer ein Risiko, auch wenn ich diese Gedanken kenne.

Ich erinnere mich, das diese negativen Gedanken erstmalig, sehr intensiv 2002, bei mir im Kopf herumschwirrten.

Ich war depressiv, antriebslos, ging nicht mehr ans Telefon, machte keine Briefe mehr auf, aber konnte meinen Job noch machen. Nicht weil ich arbeiten wollte, sondern weil ich einfach diesen Job hatte und pflichtbewusst zur Arbeit ging.

In diesem Zeitraum nahm ich Venlafaxin (Trevilor, für mich ein Teufelszeug für andere eine große Hilfe zurück ins Leben).

Sogar während der Arbeit hatte ich Gedanken im Kopf wie, »mein Leben ist sinnlos«, »es interessiert niemanden, ob es mich gibt oder nicht«, »ich will nicht-mehr wozu«.

Ich nahm diese Gedanken nicht ernst, weil ich dachte, es sind ja nur Gedanken, außerdem nahm ich ja ein Antidepressivum, was mir ja wohl helfen würde…
Ich fühlte mich sicher, was ein fataler Irrtum war!

Ich verkannte meine gefährliche Situation
, war mir ihrer nicht bewusst und ich steuerte auf mein Desaster hin, ohne es mitzubekommen.

Früh morgens, am dritten Tag mit diesen negativen Gedanken im Kopf, machte ich mich fertig für die Arbeit, schmierte mein Brot und packte auch meine Thermoskanne mit Kaffee in meinen Rucksack, setzte mich an den Tisch, stellte meine 100-Trevilor-Pillen-Packung neben einem Glas Wasser und ich wusste, was ich jetzt machen wollte…

Ohne Nachzudenken, das brauchte ich ja nicht, weil ich genau wusste, was ich wollte, ich wollte meine Ruhe und holte die Pillen aus der Verpackung und begann sie mit Wasser runterzuschlucken.
Ich handelte automatisch, total angstfrei…, ich steuerte zielgerichtet, ohne zu denken auf mein Lebensende zu…

Ich habe es überlebt – Glück gehabt.

So mächtig können Selbstmord-Gedanken werden, obwohl es eigentlich nur Gedanken sind. Selbstmordgedanken sind immer ein unkalkulierbares Risiko.

Susanne

11 Gedanken zu „Meine Erfahrungen mit Selbstmordgedanken“

  1. Habe auch schon längere Zeit diese gedanken
    Nach einem Autounfall den ich durch Krankhet Verursacht habe ist mir mit der Begründung auf einen durch Schlafentzug verursachten Epileptischen Anfall der Führerschein entzogen worden was nütürlich eine Kündigung zur Folge hatte.
    ist das etwa kein Grund darüber nachzudenken. wenn mann sich 15 Jahre für eine Firma den A. aufreist und dann so einen Tritt bekommt?

  2. Ich habe seit einigen Wochen schon mal Selbstmordgedanken gehabt. Aber ich habe eine kleine Tochter, der ich dass nicht antun möchte. Ich habe Angst, dass, wenn ich mich einem Psychologen anvertraue, mir mein Kind abgenommen wird. Daher lebe ich derzeit nur für mein Kind. Ich funktioniere nur noch. Ich gehe zur Arbeit und kümmere mich um mein Kind. Für mich tu ich nichts mehr. Wie gewinne ich wieder Lebensfreude?
    Gruß Gabi

  3. Hallo Cassy,
    ja leider verselbständigen sich diese Gedanken irgendwann, sie sind ein unkalkulierbares Risiko. Es kann Tage und Wochen gut gehen, aber irgendwann eben nicht mehr und dann ist es meist zu spät. Das habe ich ja selber feststellen müssen und deshalb bin ich jetzt sehr viel vorsichtiger, wenn solche Gedanken bei mir auftreten.

  4. Hallo Susanne,
    sehr hilfreich deine Ausführungen. Bin über das Depri-forum auf deine Seite gekommen.
    Was mich ein bisschen erschreckt ist deine Aussage über Selbstmordgedanken die sich irgendwann verselbstständigen. Werde ich mir zu Herzen nehmen müssen.
    Danke. Finde ich cool das es Menschen wie Dich gibt, so offen und ehrlich.
    Liebe Grüße Cassy

  5. Hallo naselnuss,
    interessanter Domain-Name und schön, dass du dich endlich getraut hast, ich beiße auch nur ganz selten.

    Zu deinem letzten Satz, wenn man schwer depressiv ist, kann man nicht so denken, man denkt einfach nur negativ.

  6. Ich war schon öfters hier zu lesen, habe mich aber nie so recht getraut was zu schreiben. Respekt und Achtung erst einmal, dass du als Betroffene so offensiv mit dem Thema Depressionen umgehst. Ein mir nahestehender Mensch leidet an Depressionen und als Nicht-Depressive stehe ich wie ein Ochse vor dem Berg, wenn ein Schub zugange ist. Der dann vorherrschenden Gedankenwelt kann ich als Nicht-Betroffene schwerlich folgen. Dank u. a. deiner Erfahrungsberichte kann ich mich dieser Gedankenwelt zumindest ein wenig annähern und auch lernen, dem Betroffenen so gut es geht Hilfestellung zu geben.

    Und immer daran denken: Jeder Mensch wertvoll und nicht umsonst auf dieser Welt.

  7. Hallo Susanne,
    ein toller Beitrag. Den Inhalt deines Beitrages erinnert mich an meine Suizidgedanken. Bei mir war es nicht Trevilor sondern die Strassenbahn oder die Brücke über eine Schnellstraße. Das bedutet das ich meine Fixpunkte festgelegt hatte. Zum Glück ist nichts passiert. Der Grund war meine Therapeutin. Die suizitären Gedanken an diesem Tag waren so stark das ich auf die geschlossenden Station zwangseingewiesen wurde, wofür ich meiner Therapeutin sehr dankbar bin. Man mag jetzt sagen wieso hat die Thrapeutin das nicht schon viel früher gemerkt? Der Grund war ganz einfach: ich habe mir nichts anmerken lassen… so war die Reaktion in der Sitzung umso bemerkenswerter da alles aus mir herausgebrochen ist. Auf der Geschlossenden war ich dann 5 Tage und dann 4 Monate in der offenen Psychatrie. Auf der Offenen hatte ich nochmal einen leichten Rückfall, den haben wir aber durch einen sog. Vertrag (der berühmte Handschlagvertrag) besprochen. 😳

  8. Halle Susanne! Respekt für diesen Beitrag. Ich kenne diese Gedanken auch, bin aber zum Glück noch nie so weit gegangen. Und seit ich nicht mehr zur Schule gehe ist das zum Glück auch vorbei.

    Ich bin froh dass du Glück hattest und nun hier bist 🙂 Sonst würd ich dich ja gar nicht kennen. So hast du jetzt eine Person mehr, die dich vermissen würde. :kiss:

  9. Hallo Milko,
    kurze Version; wenn man länger depressiv ist, keine Perspektive sieht, keine Medis und Therapie hilft, familiäre Schicksalsschläge, kann man dahin kommen…

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