Ich wollte eigentlich nur wieder ins Gym

Ein bisschen Muskelgedächtnis testen, dachte ich. Jetzt habe ich ein Seniorenstudium, eine 40-Liter-Sporttasche und einen Tag, der plötzlich nur noch 24 Stunden hat.

Ich wollte eigentlich nur wieder ins Gym. Früher hieß das noch Sport-Studio.

Nach ungefähr 30 Jahren Pause. Das war der Plan.

Muskelgedächtnis testen. Den körperlichen Verfall verlangsamen. Schauen, was mein inzwischen 61½-jähriger Körper noch so kann.

Eigentlich ein ziemlich überschaubares Vorhaben.

Dachte ich.

Denn irgendwie ist aus einem Vorhaben das nächste geworden.

Ich habe mir einen 27-Liter-Sportrucksack gekauft. Als ich ihn befüllen wollte, merkte ich: zu klein.

Also habe ich mir eine 40-Liter-Sporttasche gekauft. Die hab ich auch in den Schrank gepackt, die ist viel zu groß.

Und dann wollte ich mir eigentlich nur mal die Infoveranstaltung für Ältere an der Uni Wuppertal ansehen.

Moment mal. Studieren?

Ach ja.

Das war so eigentlich nicht geplant.

Ursprünglich wollte ich Sportwissenschaft studieren. Das klang schließlich ziemlich passend zu meinem Vorhaben, wieder Muskeln aufzubauen.

Etwa eine Stunde später stellte sich heraus, dass Sportwissenschaft für Seniorenstudenten offenbar nicht angeboten wird.

Also wurde per Mail auf Politikwissenschaft umgeschwenkt.

Man muss flexibel bleiben. 😂

Campus kennenlernen. Gebäude finden. Herausfinden, wo man eigentlich hin muss.

Und dann war da noch Ebene 8.

Das ist der Haupteingang.

Die Universität liegt am Hang und deshalb funktionieren die Ebenen etwas anders, als man intuitiv erwarten würde.

Darf man nicht mit Logik verstehen wollen.

Aber erst einmal sehen.

Überhaupt dieses „erst einmal sehen“.

Das ist gerade ziemlich häufig mein Plan.

Das erste Semester soll bewusst klein anfangen.

Eine zweistündige Einführung für Seniorenstudenten, danach Mensa und vielleicht mittwochs noch eine Vorlesung.

Besonders interessant finde ich Ernährung und Sport, ja Politik hab ich jetzt nur gewählt, weil Sport nicht geht. 🤣

Und irgendwann kommt noch der Bibliothekskurs dazu.

Den betrachte ich vorsichtshalber schon mal als halbes Studium.

Ich muss schließlich erst wieder lernen, wie Lernen überhaupt geht und wie das heute so funktioniert.

Das ist ungefähr 40 Jahre her.

Und wenn ich schon an der Uni bin, kommt natürlich auch das Uni-Gym ins Spiel.

Wenn ich sowieso dort bin, könnte ich Studium und Sport vielleicht ganz praktisch miteinander verbinden.

Außerdem ist es günstiger als das Gym hier in der Nähe.

Ich werde es mir anschauen und dann entscheiden.

Ich möchte einfach wieder Muskeln aufbauen und möglichst lange stark, beweglich und belastbar bleiben.

Der Waldlauf hat mir allerdings bereits ziemlich deutlich gezeigt, dass Joggen keine Alternative ist.

Ich hasse Joggen. Deshalb Gym. 😉

Und während ich mich noch damit beschäftige, wie das alles funktioniert, gibt es natürlich noch andere Dinge.

Plasma spenden zum Beispiel.

Meinen Blog. Den möchte ich wieder regelmäßiger mit neuen Inhalten füllen.

Dann gibt es Haushalt, Einkaufen und den ganz normalen Kleinkram, der erstaunlicherweise auch erledigt werden möchte.

Bis vor Kurzem war mein Alltag ziemlich übersichtlich.

Aufstehen, Kaffee, im Internet surfen, irgendwann zu Aldi, Frühstück, wieder surfen, vielleicht ein Termin, etwas Haushalt, etwas chatten, gelegentlich telefonieren.

Abends Serie oder Fernsehen.

Ein recht gemütlicher Tag. Kein Hochleistungsleben, aber vor allem übersichtlich.

Das hat sich gerade ziemlich verändert.

Nicht unbedingt, weil ich jetzt plötzlich einen komplett durchorganisierten Hochleistungsalltag hätte.

Im Gegenteil.

Ich habe einfach mehr Lust auf Dinge.

Und damit auch mehr Dinge, die ich machen möchte.

Eine Idee kommt zur nächsten.

Und irgendwann sitze ich da und denke:

Wann genau ist mein Tag eigentlich so voll geworden?

Dabei habe ich noch nicht einmal angefangen, alles wirklich regelmäßig zu machen.

Und vermutlich fallen mir währenddessen noch drei weitere Sachen ein, die ich eigentlich auch schon immer mal machen wollte.

Das ist vielleicht das eigentliche Problem.

Oder auch gar kein Problem.

Denn nach ziemlich langen ruhigen Jahren habe ich gerade wieder verdammt viel Lust auf Leben.

Ich möchte Dinge ausprobieren.

Ich möchte wieder Muskeln haben.

Ich möchte schreiben.

Ich möchte raus.

Ich möchte wissen, wie das alles funktioniert.

Und ich habe offenbar vergessen, dass ein Tag trotzdem nur 24 Stunden hat.

Nebenwirkung von meinem Plan: Seniorenstudium.
Ich bin inzwischen Gasthörende an der Uni Wuppertal. Äußerlich ganz entspannt. 🤣🤘

Hier schreibt

Ich bin SuMu, 61¾ und blogge hier seit 2006 über das, was mich gerade beschäftigt.

Über mein Leben, meine Depression, Intervallfasten, Essen, Natur, Tiere, Plasmaspenden und über den ganz normalen Wahnsinn.

Ich schreibe aus meiner eigenen Perspektive. Ich spreche also über mich und nicht stellvertretend für „man“, „wir“ oder die ganze Menschheit. 😉

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