Kategorie: Depression

Leben mit Depression.

  • Wie bin ich zu meiner Eu-Rente gekommen?

    Heute heißt es Erwerbsminderungs-Rente.
    Ende 2003 bemerkte ich, dass sich mein Befinden verschlechterte.

    Meine Symptome der Depression

    Mein Antrieb ließ nach, mir fiel es immer schwerer, mich für die unterschiedlichsten Tätigkeiten zu aktivieren. Interessensverlust und sozialer Rückzug: Ich ging nicht mehr ans Telefon, machte keine Post mehr auf, schaffte kaum noch meinen Haushalt. Negative Gedanken stellten sich ein und ich begann über mein Leben zu grübeln, was ich alles falsch gemacht habe, was ich nicht gemacht habe, warum ich überhaupt am Leben bin …
    Konzentrationsprobleme, Gleichgültigkeit und Müdigkeit, ich konnte problemlos bis zu 12 Stunden schlafen. Ich fühlte mich wie tot, hatte keine Perspektive. Ich war auch nicht fähig, eine Entscheidung zu treffen. Banale Dinge wie, soll ich jetzt ein Eis essen oder ein Fischbrötchen, konnte ich nicht entscheiden. Lebensunlust stellte sich ein…, ich fühlte mich überflüssig.

    Es folgte das »Komplett-Paket« Psychiater, Krankschreibung, MDK

    Ich suchte einen Psychiater auf, wurde für arbeitsunfähig erklärt und bekam Antidepressiva, die bei mir außer verschiedener Nebenwirkungen leider nicht wirkten.

    Nach einigen Wochen musste ich zum MDK(=Medizinische Dienst der Krankenkassen).
    Ich musste zweimal zum Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK).
    Beim ersten Mal dauerte das Gespräch nur wenige Minuten und mir wurde mitgeteilt, ich sei 6 Stunden arbeitsfähig.

    Ich habe dann einen formlosen Widerspruch eingelegt und mein Psychiater war so nett und hat diesen medizinisch begründet.

    Der Widerspruch kam dann nach einigen Wochen ohne Probleme durch.

    Beim meinem zweiten MDK-Termin habe ich vorab ein Attest von meinem Arzt mitgenommen und dieses Gespräch dauerte diesmal ca 20–25 Minuten und ich war doch tatsächlich krank!

    Diagnose:
    Rezidivierende (wiederholte) depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ( F33.2)
    Diesen Code findet man auch im Arztbrief, auf einer Überweisung und auf der AU-Bescheinigung für die Krankenkasse.

    Was bedeutet die Diagnose F.xx.x?

    Das von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebene ICD-10 (= Internationale Klassifikation der Krankheiten) wird weltweit als Diagnoseklassifikation eingesetzt. Was das im einzelnen bedeutet, kann man bei DIMDI nachlesen:

    Beispiel: F33.2:
    Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
    Eine Störung, die durch wiederholte depressive Episoden gekennzeichnet ist, wobei die gegenwärtige Episode schwer ist, ohne psychotische Symptome (siehe F32.2) und ohne Manie in der Anamnese

    Einteilung der Depression erfolgt nach Art und Anzahl der Symptome, dem Verlauf, dem Vorliegen anderer Probleme.

    Nach einigen Monaten ist mir dann geraten worden, eine befristete EU-Rente zu beantragen.

    Erwerbsminderungsrente

    Zuständig ist die deutsche Rentenversicherung.
    Die Rente wegen Erwerbsminderung wird in Abhängigkeit von der ärztlich festgestellten Leistungsfähigkeit als Rente wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung gezahlt.

    Teilweise erwerbsgemindert ist, wer wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit zwischen drei bis unter sechs Stunden täglich im Rahmen einer 5-Tage-Woche erwerbstätig sein kann.

    Voll erwerbsgemindert ist, wer wegen Krankheit oder Behinderung nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Weitere Voraussetzungen für die EU-Rente.

    Wie kam es zu meinem erneuten Absturz?

    Ich hatte einen Job in einem (für Depressive) belastenden Umfeld, was mir aber nicht auffiel, da mir der Job scheinbar Spaß machte, private Probleme mit dem Ehepartner, der selber krank war. Somit haben wir uns gegenseitig »wunderbar« heruntergezogen …, natürlich nicht absichtlich!

    Meine EM-Rente ist befristet und muss gegebenenfalls verlängert werden…
    Da ich auch einige Jahre studiert habe, ist sie auch nicht besonders hoch, so ist es sehr hilfreich, wenn man nicht alleine lebt und von seinem Partner finanziell unterstützt wird.

  • Angenehme Aktivitäten welche der Depression entgegenwirken können

    Im Folgenden liste ich einige Aktivitäten auf, die helfen können, das eigene Befinden zu stabilisieren oder zu steigern um so möglicherweise einer erneuten Depression entgegenwirken können.

    Im Laufe der depressiven Erkrankung, wenn man länger Krank geschrieben ist oder sogar arbeitslos oder EU-Rente (Grundsicherung) beantragen muss, nimmt logischerweise auch das monatlich zur Verfügung stehende Einkommen ab. In jungen Jahren ist die EU-Rente auch oft sehr gering.

    Man hat weniger Geld zur Verfügung. Wenn man in der glücklichen Lage ist, einen Partner zu haben, der einen dann finanziell unterstützen kann, wäre das schon sehr hilfreich und trägt auch zum eigenen Wohlbefinden bei.

    Finanzielle Sorgen beeinträchtigen die eigene Stimmung sehr stark, rufen massive Existenzängste hervor und können einen auch noch weiter in die Depression und Hoffnungslosigkeit treiben.

    So eine Liste mit angenehmen (positiven) Aktivitäten
    kann sich jeder selber anlegen, meine Auflistung soll nur als Anregung dienen (solche Aktivitäten belasten das finanzielle Budget unterschiedlich stark, auch gibt es viele die preiswert oder sogar kostenlos sind).

    Häufig ist es tatsächlich so, das dem Depressiven einfach nichts einfallen kann will und dann kann so eine Liste durchaus hilfreich sein.

    Angenehme Aktivitäten

    • Joggen, wandern oder spazieren gehen
    • Sich mit Tieren beschäftigen
    • Ein spannendes Buch lesen
    • durch die Stadt bummeln
    • Im Garten arbeiten
    • Mit einem Freund/Freundin telefonieren
    • Emails oder Briefe schreiben, mit Jabber und Co. chatten
    • Kreuzworträtsel lösen
    • Schwimmen gehen, Sauna und Fitness-Studio besuchen
    • Ein entspannendes Bad nehmen
    • sich in der Sonne braten
    • Mit jemanden Essen gehen oder zusammen kochen
    • Etwas Neues lernen (Sprache, Sport, Malen z.B. in der Volkshochschule)
    • Musik hören
    • Kuchen oder Keks backen, neue Rezepte ausprobieren
    • Zur Massage, Friseur oder Kosmetikerin gehen
    • Einen Pullover, Schal oder Socken stricken
    • Wohnung renovieren und verschönern
    • Bügeln
    • Fotografieren
    • Tagebuch oder Blogschreiben
    • einen Ausflug machen, Zoos besuchen
    • eine Selbsthilfegruppe suchen
    • Entspannungsverfahren erlernen (Autogenes Training oder Muskelentspannung nach Jakobsen)
    • sich in ein Cafe setzen und Menschen beobachten
    • und noch einiges andere …
  • Verlauf von Depressionen

    Depressionen verlaufen wellenförmig

    • Die Länge der Phase ist nicht vorhersagbar
    • Rückkehr zum früheren Funktionsniveau

    Zuteilung der Krankenrolle

    • Auszeit von den üblichen Verpflichtungen
    • Versuch der Akzeptanz, dass man jetzt krank ist
    • Ausgehen vom jetzigen Leistungs- und Belastungsniveau, darauf aufbauen
    • aktive Mitarbeit in der Therapie

    [Quelle: Psychoedukationsgruppe – eine Informationsgruppe zum Thema Depression -, der Station JKH6 (Fachstation für Depressionserkrankungen) der Stiftung-Tannenhof in Remscheid]

  • Typische Gedanken bei depressiven Menschen und was man dagegen setzen kann

    Negative Gedanken hilfreiche Alternative
    Alles-oder-nichts-Denken»Das wird nie mehr besser«
    »ich mache immer alles falsch«
    »Es gibt immer eine Veränderung. Warum nicht auch zum Besseren?«
    »Ich habe schon einiges in meinem Leben gut gemacht.«
    (z.B. Meisterprüfung geschafft; fünfköpfigen Haushalt geführt; Italienisch gelernt…)
    Übertreibende Verallgemeinerung
    »Das ging daneben. Ich bin und bleibe ein Tollpatsch.«
    »Dann ist der PC abgestürzt. ich kann einfach nicht mit Computern umgehen«
    »Das ging diesmal daneben. Aus Schaden wird man klug. Das nächste Mal wird es schon wieder klappen.«
    »Der PC ist abgestürzt, ich rufe mal einen Bekannten an, ich muss ja nicht alles können«
    Abwehr des Positiven
    »Das ist doch nichts Besonderes! Das kann doch jeder!«
    »Ja, aber früher ging mir alles viel schneller von der Hand!«
    »Dieser Kuchen (dieses Bild, dieser Brief) ist mir wirklich gut gelungen!«
    »Das ist mir schon wieder ganz gut geglückt. Allmähliche werde ich auch mein altes Tempo wieder erreichen.«
  • Automatische Gedanken bei Depressionen

    • sind für die Depression und das emotionale Befinden von zentraler Bedeutung
    • sind schnell ablaufend, stellen sich unfreiwillig ein
    • erscheinen in der Situation oft plausibel
    • laufen zwischen einem Ereignis und dem emotionalen Erleben ab
    • diese »blitzartigen« Gedanken sind bei Depressionen oft fehlerhaft, verzerrt und unangepasst
    • sind meist nicht bewusst, deshalb zu Beginn der Therapie kaum veränderbar, im Prozeß des Therapiefortschritts aber immer besser zu bearbeiten
    • drücken sich in Selbstgesprächen, Selbstinstruktionen, Interpretationen und Bewertung von Ereignissen, Phantasien, Gedanken der Vergangenheit, der Zukunft der eigenen Person u.s.w. aus

    Beispiele von automatischen Gedanken

    • »Das schaffe ich nie!« (wenn die Person vor einer Aufgabe, einem Problem steht)
    • »Ich bin halt ein Versager« (wenn etwas schief ging)
    • »Wo soll ich bloß hinschauen« (in einer Situation, in der der Patient angeblickt wird)