Kategorie: Depression

Leben mit Depression.

  • Ein Blog über Depressionen, Dysthymie, rezidivierende Depression

    Kann natürlich in erster Linie dem Autor/der Autorin helfen, sich mit seiner depressiven Erkrankung (Dysthymie und rezidivierenden Depression) und deren Folgen auseinanderzusetzen.

    Mein Blog hilft mir oft, meine depressiven Gedanken zu sortieren, zu reflektieren und auch so seltsam es klingen mag, beim Überleben. Bei einer wiederkehrenden depressiven Erkrankung benötigt man auf jeden Fall sehr viel Geduld, wenn man die Depression verringern will.

    Leider ist das Aufbringen von Geduld sehr schwer, vor allem wenn man lange keine Fortschritte sieht.

    Aufgrund meiner Lebensgeschichte kann ich für mich nicht von Gesund werden reden, muss aber für mich die Hoffnung wahren, dass sich zumindest meine depressiven Symptome verringern können.

    Wenn ich diese Hoffnung nicht hätte, wäre mein Überleben schwer in Frage gestellt, was zum Glück nur zeitweise auftritt und gegen das man mit Medikamenten und Klinikaufenthalten gegensteuern kann, sofern man die Anzeichen dafür mitbekommt.

    Die sehr kleinen Schritte aus der schweren depressiven Phase, werden dann leider oft noch ins Wanken gebracht, durch reale, unvorhersagbare Dinge, wie dem Leben, welches nicht nur positive “Überraschungen”, Veränderungen bereithält.

    Das Leben ist ein Fluss, ständig in Bewegung, man sollte versuchen mit zuschwimmen, daran aktiv teilnehmen.

    Mir als Depressiven kommt das Leben verlangsamt vor, ich kann nicht mithalten, stehe neben mir und sehe es wegschwimmen, laufe ziellos hinterher …, keine Chance für mich zu leben.

    Mein depressives Leben ist nicht planbar, weil die Symptome sich ganz schnell verschlechtern können, auch ohne Ankündigung.

    Wenn es einen offensichtlichen äußeren Anlass gibt, dann ist es etwas einfacher für mich ein Befindungstief für mich zu erklären, aber auch genauso kaum aushaltbar.

    Ein Depressiver ist ein emotionales Sensibelchen, die Stimmung/Gedanken gerät beim kleinsten negativen Reiz in die Abwärtsspirale.

    Die äußerliche Maske kann ich natürlich meist aufrechterhalten, aber mein Innerstes ist dann wieder mal ein Trümmerfeld, das ich ordnen muss und aus das ich mich herausgraben muss.

    Ein Depressiver ist wie eine Art Maulwurf, ab und zu kommt er ans Tageslicht und versucht wieder einmal zu leben, ansonsten gräbt er, ob er will oder nicht Tunnel durch seine Psyche, auf der Suche nach einem nicht depressiven Leben …

  • Wie sieht ein Depressiver aus?

    In dem Artikel kam die Frage in den Kommentaren auf,
    »wie sieht ein Depressiver aus, kann man Depressionen sehen?«

    Interessante Frage, ein gebrochenes Bein sieht man, wenn jemand einen Gips hat, an Krücken geht und eine Röntgenaufnahme diesen gebrochenen Knochen genau zeigt.

    Eine Depression zeigt sich in der Regel erst mal im Verhalten der Person.

    Ein guter Schauspieler wird sich so lange wie möglich zusammenreißen und versuchen, sich nichts anmerken zu lassen, damit er zumindest äußerlich funktionieren kann.

    Wenn die Depression dann schlimmer wird (und er mithilfe von Therapie nicht wirklich dagegen steuern kann oder aber sich seine Erkrankung nicht eingestehen kann oder will), wird er sich vermutlich immer weiter zurückziehen, sich sozial isolieren, weil er Angst hat, man könnte ihm irgend etwas ansehen …

    »Depressiv ist ja schließlich jeder mal und nach einigen Tagen geht es dann auch wieder besser, man muss sich nur zusammenreißen und sich nicht so anstellen.«

    »Über Depressionen redet man nicht, weil es ja keine Erkrankung ist, sondern Faulheit oder ähnliches.«

    Einige wenige Depressive sind tatsächlich häufig am weinen, wirken unterwürfig, sprechen leise, gehen gebeugt …

    Es gibt aber auch andere, die versuchen, sich äußerlich keine Blöße zu geben, vielleicht auch, weil sie nicht anders können.

    Wenn man trotz Depression einen äußerlichen stabilen Eindruck macht und reden kann, hat man sehr schlechte Karten bei den Gutachtern für die Rentenversicherung, was auch eine Studie beschreibt.

    Vermutlich wollen diese Gutachter auch weiterhin für ihre Gutachten Geld beziehen und auch weiterhin Aufträge von den Sozialversicherungsträgern erhalten. Wenn die Gutachter jetzt ihren Job ernst nehmen und viele Depressive als Teil-oder Voll-Erwerbsgemindert einstufen, haben sie auf Dauer selber schlechte Karten, weiterhin Aufträge zu erhalten.

    Diese »Abhängigkeiten« sind aber überall zu finden, nur besonders schädlich, wenn es um die Gesundheit geht.

    Nun, wie muss ein typisch Depressiver sein, damit er auch depressiv wirkt?

    Ist er groß oder klein, blond oder braunhaarig, dick oder dünn, sympatisch, faul, weinerlich, lächelnd, sportlich, gereizt, nett, schlecht gelaunt, hilfsbereit, ängstlich, asozial, Säufer , abhängig von Tabletten, humpelnd, kriechend, schleimend … ?

    Ich weiß das nun wirklich nicht!

    Ich sage einfach oft vorher, dass ich immer so wirke, wie ich jetzt bin und dass ich nicht wie ein Haufen Elend hier herumkriechen kann. So ähnlich würde ich auch wirken, wenn ich kurz davor bin, mein Leben zu beenden.

  • Wie beantragt man eine Erwerbsminderungsrente?

    Ich beziehe aufgrund meiner rezidivierenden (wiederholte) depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode (F33.2 und Dysthymie) eine befristete Erwerbsminderungsrente.

    Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente ab dem 01.01.2001

    Zuständig ist die Deutsche Rentenversicherung. Grundsätzlich ist ein Antrag zu stellen, um Leistungen zu erhalten. Man erhält diese Leistungen nicht automatisch, auch wenn die Voraussetzungen gegeben sind.

    Die Rente wegen Erwerbsminderung wird in Abhängigkeit von der ärztlich festgestellten Leistungsfähigkeit als Rente wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung gezahlt.

    Bei einer Leistungsfähigkeit von unter 3 Stunden erhält man die volle Rente.
    Eine halbe Rente bekommt man, wenn man 3 bis 6 Stunden täglich arbeiten kann.
    Wenn man über 6 Stunden arbeiten kann, dann erhält man keine Rente

    Bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres hat man einen Anspruch auf Rente wegen Erwerbsminderung, wenn folgende Punkte zutreffen:

    Man ist voll oder teilweise erwerbsgemindert.

    • Man hat vor Eintritt der Erwerbsminderung die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt, auf die Pflichtbeiträge, freiwillige Beiträge, Ersatzzeiten und Monate aus dem Versorgungsausgleich und Zeiten aus geringfügiger versicherungsfreier Beschäftigung angerechnet werden.
    • Man hat in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt. Der Fünf-Jahreszeitraum wird unter bestimmten Voraussetzungen verlängert.
    • Oder man hat bereits vor dem 1.1.84 die allgemeine Wartezeit erfüllt und hat ab Januar 1984 bis zum Eintritt der Erwerbsminderung ein lückenloses Rentenkonto.

    Erwerbsminderungsrenten werden grundsätzlich als Zeitrenten gezahlt.

    Eine von Anfang an unbefristete Rente soll es nur noch dann geben, wenn davon auszugehen ist, dass die Minderung der Erwerbsfähigkeit nicht mehr behoben werden kann.

    Nach Ablauf der Zeitrente wird der Gesundheitszustand überprüft und die Rente dann gegebenenfalls weiter bewilligt. Die Zeitrente wird immer nur für längstens drei Jahre bewilligt und kann auf höchstens neun Jahre verlängert werden.

    Sollte sich der Gesundheitszustand bis dahin nicht gebessert haben, erhält der Versicherte dann die Rente unbefristet.
    Da die Bearbeitung eines Rentenantrages bzw. eine Verlängerung der Erwerbsminderungssrente durch den Rentenversicherungsträger einige Zeit in Anspruch nehmen kann, sollte man den Verlängerungsantrag ca. 4 Monate vor Ablauf der befristeten Rente stellen.

    Sollte die Rente zu gering sein (das passiert häufig, wenn man schon in jungen Jahren eine Rente beantragen muss), kann man auch Grundsicherung beantragen.

    Weitere Informationen findet man bei der Deutsche Rentenversicherung.

    Wann beantragt man eine Erwerbsminderungsrente?

    Entweder nach Aufforderung von der Krankenkasse oder selber, wenn sich der psychische (und oder körperliche) Zustand nicht gebessert hat und man einige Monate vor der Aussteuerung der Krankenkasse steht.

    Woher bekommt man den Antrag?

    Den Rentenantrag bekommt man u.a. direkt beim Rentenversicherungsträger, abholen oder auf dem Postweg anfordern. Die entsprechenden Formulare kann man sich auf der Webseite herunterladen.

    Welche Unterlagen benötigt man?

    Von dem Rentenversicherungsträger erhält man auf Antrag den sogenannten Versicherungsverlauf (oder auf der Webseite einen Versicherungsnachweis anfordern) zugesandt, indem die Versicherungszeiten aufgelistet sind. So kann man ersehen, ob die gespeicherten Zeiten erfasst oder auch noch Lücken vorhanden sind, die man dann durch eigene Unterlagen /Sozialversicherungsnachweise, Schul-und Ausbildungszeiten etc.) belegen und ergänzen kann. Das nennt man dann auch Kontenklärung.

    Ansonsten benötigt man seinen Personalausweis, die Bankverbindung, eine Auflistung der behandelnden Ärzte/Klinikaufenthalte und sofern vorhanden, den Schwerbehindertenausweis.

    Fehlende Unterlagen kann man nachreichen.

    So ein Rentenantragsverfahren kann mehrere Monate dauern, auch muss man in der Regel zu einem Gutachter und eine Rehabilitation mitmachen.

    Bei einem positiven Rentenbescheid, erhält man die Rente rückwirkend, ab Antragstellung auf das Bankkonto ausgezahlt.

    Auszahlung der Rente

    Versicherte die erstmalig ab dem 1.4.2004 eine Rente bekommen, erhalten die Rentenzahlung erst am Monatsende.

    Die Höhe der Rente

    Die Höhe der Rente richtet sich nach den eingezahlten Rentenbeiträgen. Auch werden Zeiten der Krankheit, der Arbeitslosigkeit, der Kindererziehung und der Schulausbildung berücksichtigt (Nachweis erforderlich).

    Erwerbsminderungs-Rente und Nebenjob?

    Altersrentner unter 65 Jahre sowie Bezieher einer Rente wegen voller Erwerbsminderung können neben ihrer Rente monatlich ca. 350 Euro (brutto) hinzuverdienen, ohne dass es zu einer Reduzierung ihrer Rente kommt. Zweimal im Jahr darf unter bestimmten Voraussetzungen der Hinzuverdienst auch das Doppelte betragen, also 700 Euro (brutto).
    Die Hinzuverdienstgrenze wird jährlich angepasst. Im Einzelfall sollte man den Rentenversicherungsträger fragen.

    Erwerbsminderungs-Rente und die Krankenversicherung der Rentner

    Bei pflichtversicherten Rentnern tragen der Rentner und der Rentenversicherer die Krankenkassenbeiträge je zur Hälfte, berechnet anhand der Höhe der Rente. Ausgenommen davon ist der zusätzliche Beitrag zur Krankenversicherung in Höhe von 0,9 Prozent. Diesen trägt der Rentner allein.
    Der Rentenversicherer überweist den vollen Krankenversicherungsbeitrag an die Krankenkasse und hält den Anteil des Rentners von der Rente ein. Werden mehrere Renten gleichzeitig gezahlt, zum Beispiel Altersrente und Witwenrente, wird von jeder Rente der Beitrag zur KVdR gezahlt.
    Deutsche Rentenversicherung

    Widerspruch, wenn man mit der Entscheidung nicht einverstanden ist

    Der Rentenbescheid dokumentiert den Rentenbeginn (-Dauer), die Rentenhöhe und die Zeiten, welche bei der Berechnung der Rente berücksichtigt wurden. Der Widerspruch gegen den Rentenbescheid ist schriftlich innerhalb von 4 Wochen (das steht auf dem Rentenbescheid) unter Angabe der Gründe beim Rentenversicherungsträger einzureichen. Ein Rechtsanwalt wäre zu empfehlen …

    Weitergehende Informationen, Hilfen und Beratungsstellen findet man auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung.

    Dieser Artikel beruht auf meinen eigenen Erfahrungen und ist aufgrund des komplexen Themas auf keinen Fall vollständig.

  • Bringt dich die Depression nicht um, macht es das Herz

    Depressive haben im Vergleich zu Gleichaltrigen aus der Allgemeinbevölkerung eine etwa doppelt so hohe Sterberate. Nach Suiziden sind es vor allem kardiovaskuläre Komplikationen, die depressive Patienten überdurchschnittlich gefährden. […] ÄrzteZeitung

    Könnte ja bei einer lang anhaltenden Depression ganz praktisch werden, man müsste sich nicht selber …, wenn man es nicht mehr aushält …

    Sind das nicht positive Aussichten für einen Depressiven? :angetrunken:

  • Wachtherapie oder auch therapeutischer Schlafentzug

    Die Wachtherapie (therapeutischer Schlafentzug) ist ein Therapie-Verfahren bei einer depressiven Erkrankung.

    Was ist Wachtherapie (auch Schlafentzug, Schlafentzugstherapie)?

    Die Wachtherapie ist eine weitgehend nebenwirkungsarme Behandlungsmöglichkeit bei einer Depression zur kurzfristigen Besserung der depressiven Stimmung.

    Diese Art der Therapie wird schon seit über 30 Jahren in die Behandlung von Depressionen mit einbezogen.
    Die Wachtherapie ist eine zusätzliche Therapiemöglichkeit in der Depressionsbehandlung, die die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva ergänzt, aber keinesfalls ersetzt und mit anderen Behandlungsmöglichkeiten kombiniert werden kann.

    Depressive Patienten leiden oft an Schlafstörungen, sie schlafen schlecht ein, schlafen zu wenig oder auch zuviel und auch zu unruhig.

    So ein Schlaf trägt nicht zur Erholung des Patienten bei und kann sogar die depressiven Symptome verstärken.
    Eine Erklärungsmöglichkeit für den Effekt der Wachtherapie (therapeutischer Schlafentzug), besteht darin, dass durch den Schlafentzug, der Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert wird und sich der “normale” Schlaf wieder einstellt.

    Was bewirkt die Wachtherapie?

    Bei vielen Menschen bewirkt die Wachtherapie einen kurzzeitigen Rückgang der depressiven Beschwerden, das heißt, sie haben am folgenden Tag eine etwas bessere Stimmung.

    Meine Erfahrungen mit der Wachtherapie

    In den “Genuss” der Wachtherapie durfte ich während meines 8 monatigen Aufenthaltes auf der Depressions-Fachstation (2006) kommen.

    Bei der Wachtherapie wurde man von der Nachtschwester um 1 : 30 geweckt und bleibt bis zum Abend auf. Oft bekommt man noch ein Schlafmittel, damit man überhaupt einschlafen kann…

    Es wird meist in der Gruppe mit mehreren Patienten durchgeführt. Während der Nacht kann man sich dann mit Spielen, Gesprächen und Lesen wachhalten.

    Der depressive Mensch soll spüren, dass er möglicherweise doch noch, wenn auch nur für eine kurze Zeit, eine andere Stimmungslage haben kann. Damit er bemerkt, dass es ihm doch noch etwas besser gehen kann.

    Für mich ist eine Wachtherapie nichts, ich habe sie dreimal mitgemacht (2 bis 3 mal in der Woche) und war morgens nur schlecht gelaunt und gereizt. Nachdem ich dann diese Wachtherapie dann nicht mehr mitmachen musste, hatte ich heftigste Schlafstörungen :stinkig:

    Ich habe einige Patienten kennengelernt, bei denen die Wachtherapie geholfen hat, das eigene Stimmungsniveau kurzfristig anzuheben. Hier gilt auch, wie bei den Antidepressiva, einfach ausprobieren, sonst erfährt man nicht, ob es einem helfen wird.

    Wann ist eine Wachtherapie sinnvoll?

    Die Wachtherapie ist einfach durchzuführen und in der Regel für depressiven Patienten aller Altersgruppen zu empfehlen.
    Nicht angewandt werden sollte so eine Wachtherapie bei Patienten mit Epilepsie, Manischer Depression oder auch bei Patienten, die zusätzlich unter körperlichen Erschöpfungszuständen leiden.