Jede Depression wird besser, sofern man sie überlebt †

Dennis, Manie und Depression

Gastbeitrag von Dennis

Mein Blog: my life
Alter: 29
Familienstand: Ledig
Kinder: nein
Rentner: nein
Wohnort: NRW
Beruf: Sachbearbeiter QS Management

Dieser Artikel enthält belastende Inhalte.
Wenn ihr euch beim Lesen aufgrund des Inhaltes nicht wohl fühlt oder Probleme damit habt, hört ihr bitte auf zu lesen. Des Weiteren sollten Leser mit psychischen Problemen Abstand von dem Artikel nehmen.

Es ist sehr schwierig zu sagen seit wann ich depressiv bin

Die direkten Auswirkungen müsste ich ab meinem 21 Lebensjahr gemerkt haben.
Vorher gab es zwar immer wieder einige düstere Stunden aber das war ein bisschen mehr als das normale bedrückt sein.

Ab dem 23. Lebensjahr fing ich an Kraft zu verlieren, es wurde immer schwieriger mein Lebensrhythmus beizubehalten. Die Arbeit lief zwar gut aber alles drum herum wurde immer undurchsichtiger.

Das wechselte sich immer mit Phasen ab die OK waren und das Leben lief so wie es sollte. Leider wurden diese Phasen in Richtung des 23 Lebensjahres immer dünner. Lange lag ich im Bett und guckte die Decke an, ich wusste aber nicht wie ich es einordnen sollte.
Im ersten drittel meines 23 Lebensjahrs eröffnete sich eine gewisse soziale Isolation und mein Freundeskreis wurde sukzessive kleiner.

Lange Spaziergänge ohne Sinn und Verstand. Es zog sich immer mehr zu, mein Leben verlor sich im Grübeln, im Kreis denken, alle 20 Minuten die selben Gedanken.

Ein typisches Instrument was sich während der immer massiver werdenden Phasen eingestellt hatte waren die endlosen Spaziergänge.
Bis zu 5 Stunden bin ich am Sonntag durch meine Stadt gelaufen.

Dann kam der erste große aber damals nicht wirklich registrierte Ausrutscher in den Keller der Depressivität. Bei einem der langen Sonntagsspaziergänge mit Grübeln ging ich über einen Fußgängerweg der in den Berg oberhalb einer Schnellstraße eingelassen war. Ca. 50 Meter hoch, als ich auf diesem Weg dahin ging blieb ich an der Mauer stehen und guckte auf die Schnellstraße runter. Plötzlich schoss ein Schub von Adrenalin durch meinen Kopf und ich hatte das dringende Bedürfnis verspürt auf diese Schnellstraße zu springen. Mein Arm verkrampfte sich an der Mauer und ich war starr. Meine Hand verkrampfte sich so stark in diese Mauer das unter den Fingernägeln das Blut hervorschoss.
Der Adrenalinschub ließ nach 2 Minuten nach und ich ging nach Hause.

Wirklich realisiert habe ich es erst 2 Jahre später

Da ich und meine Wohnung immer tiefer ins Chaos stürzten und mein Leben nur noch aus dunkel und negativen Eindrücken bestand entschloss ich mich eine Therapie zu beginnen.

Nachdem ich mich im Netz über den Anfang einer Therapie informiert habe kontaktierte ich eine Therapeutin. In der Therapie lernte ich mit den Depressionen umzugehen. Parallel zu den depressiven Phasen entstand eine Art Gegenpol der immer heftiger wurde.

In bestimmten Zyklen war ich Top Fit und konnte Bäume ausreißen. Ich bin Nachts aufgewacht und hatte nur noch das Gefühl ich muss weg. Einen Leihwagen und auf die Piste natürlich nicht so einen popeligen Polo oder Corsa sondern ein Mercedes genauer einen Mercedes E 270 CDI, 177 PS mit Leder und alles was das Herz begehrt. 250 € für das ganze Wochenende aber was kostet die Welt.

Auf die Autobahn da wo ich mich zuhause fühlte mit 200 Sachen aber wohin? Nein nicht nach Hannover oder Dortmund das ist doch langweilig. München und im Four Seasons einchecken für 500 Euro das Wochenende. Ein Wochenende mit viel Party und Sex, ich wirkte auf die Frauen ganz anders als normal. Am Sonntag zum Starnberger See und für 120 Euro Mittag essen. Als das Wochenende zu Ende war hatte ich 1500 € ausgegeben aber ich war ja toll. So oder so ähnlich verliefen unzählige Wochenenden. Es war nicht immer der Mercedes manchmal ging es auch per Flugzeug nach London oder Paris. Zuhause kaufte ich mir viele Sachen ohne Sinn und Verstand.

Das nennt man Manische Phase also der Gegenpol zu den Depressionen

Ich verdiene zwar nicht schlecht aber das konnte ich auf Dauer nicht aushalten und ich viel finanziell immer tiefer. Man bleibt nicht immer in den Manischen Phasen sondern man rutscht da wieder raus und stürzt direkt in die Depressionen. Es ist bis heute nicht klar ob es auch Menschen gibt die nur Manisch sind.

Das Abstürzen aus der Manischen Phase in die Depressive ist immer tiefer da Manische Phasen unheimlich viel Kraft brauchen sowohl körperlich als auch psychisch.

Diese ganze Entwicklung habe ich nicht meiner Therapeutin erzählt da ich nicht wusste wie ich das einordnen sollte und mich auch schämte. Das ist ein typisches Verhalten für Manisch Depressive Menschen.

Als sich meine Situation immer weiter zuspitzte und auch die finanziellen Probleme immer größer wurden kamen die ersten Suizidgedanken.

Es gab zwar immer wieder gute Freunde und meine tollen Eltern (plus die Therapeutin) für die es sich lohnte keinen Suizid zu begehen aber dieses Gefühl der Verantwortung verflog langsam.

Dann kam der Tag als alles zusammen kam

Ich habe es nicht mehr ausgehalten und musste unbedingt zu meiner Therapeutin.
Ich hatte dann bei ihr eine Art Zusammenbruch und erzählte ihr alles.
Auch solche Sätze wie „ich habe keine Lust mehr zu Leben“, „ ich halte das alles nicht mehr aus“ oder „ich werde jetzt mit der ganzen Sache Schluss machen und mich umbringen“.
Meine Therapeutin hat geistesgegenwärtig reagiert und sofort gesagt „xxxxxx“*. „Soll ich sie hinfahren oder schaffen sie es selber“ Sie hat mich hingefahren da ich nicht mehr in der Lage war etwas selber zu organisieren. Ich war dann 5 Tage in der geschlossenen Psychiatrie da ich schwer Suizidgefährdet war.

Ich wurde unter Tavor (Beruhigungsmittel) gesetzt und habe nicht mehr viel mitbekommen.
Danach war ich ca. 4 Monate in der klassischen Psychiatrie**.

Mittlerweile bin ich einigermaßen stabil

Es gab 2 große und eine kleine depressive Episoden nach dem Klinikaufenthalt, die ich gut gemeistert habe.
Die Psychiatrie war eine Zeit der Erholung und Regeneration.

Es wurden mir viele Dinge beigebracht die ich bis heute nutzte wie z.B. sich einen Traumort schaffen um nicht zu Grübeln oder dass man den Notfallkoffer benutzt.

Und merkt euch eines „Das Leben ist zu schön um es so zu beenden wie ich es wollte“.
Man sollte nie vergessen wie viele Freunde man hat und wie man ihnen weh tut wenn man verschwindet.
Alleine der Gedanke das meine Eltern, besten Freunde und andere Verwandte am Grab stehen ist heute für mich unfassbar.

Fragen beantworte ich gerne.

Mein Blog: http://myllifeingadder.blogspot.com

Eine Manische Phase hatte ich bisher nicht mehr und ich kann auch keine gebrauchen.

LG
Dennis

P.S. Über einen Besuch in meinem Blog freue ich mich immer

- da ich weder meine Heimatstadt noch den Namen der Psychiatrie nennen möchte, habe da mal ein paar „X“ hingemacht. – damit meine ich die Psychiatrie wo man sich selber bewegen kann und nicht das primäre Ziel ist Dummheiten zu vermeiden.
Des Weiteren wurden dort auch die klassischen Anwendungen angeboten wie die BIG, Gespräche mit den Therapeuten oder die Ergotherapie.

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— lisbeth, 07.12.2007@03:20 # 1 -
hallo, hab gerade den bericht gelesen. meine schwester hat auch diese krankheit (54J.) und sie sagt einfach jetzt in der depressiven phase zu allem nein. heute nach dem arztbesuch (der arzt hat gemeint sie bracht zeit..zeit..) wir wollten das er sie erst in eine klinik schickt aber da hat sie schlechte erfahrungen gemacht und jedesmal wieder dasselbe also nachher manie. heute hat sie zu ihrer tochte gesagt, ich fühle mich einfach sooo nicht wohl in meinem körper. wie könnte man sie zur krankheitseinsciht bringen, dass sie von selber in die klinik geht und nachher eine längerfristige geschützte therapie macht. das ganze geht ca. 30 jahre. lbe grüsse
Dennis, 14.12.2007@10:18 # 2 -
Tcha, das sind Fragen die man nur mit Experten klären sollte. Was auf jeden Fall richtig ist ist das viele Kliniken unterschiedlich sind. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Des Weiteren sollte man sowohl zum Hausarzt aber zu einem Neurologen (Neurologen haben immer eine psychothrapeutische Ausbildung) gehen. Wenn du noch Fragen hast dann schrein mir einfach eine Mail. Der Weg ist aber mehr als kompliziert. Wichtig ist aber auf jeden Fall sich auf sehr vertraute Peronen und Experten zu verlassen.
Du kannst mir gerne eine E- Mail schreiben (siehe oben)

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