Jede Depression wird besser, sofern man sie überlebt †

Depressiv, so lange ich denken kann

Mein Spitzname ist Unbill, ich bin 45, weiblich und habe, seit ich mich erinnern kann, Depressionen. Auch wenn es noch nicht so genannt wurde.

Meine jungen Jahre, mein erster Suizidversuch

Im Alter von 14 verübte ich meinen ersten Selbstmordversuch mit Tabletten.
Es klappte nicht, wurde auch nicht besonders ernst genommen.

Nachdem ich mich aber in den Augen meiner Eltern als widerspenstig erwies, schleppten sie mich zum Psychiater. Lorazepam war das erste Medikament, welches mir verschrieben wurde. Eine Woche Woche lang nahm ich es, dann wanderten die Tabletten in den Müll.

Ich wurde Punk, ging mit 18 ins Ausland, heiratete mit 20, reichte mit 21 die Scheidung ein, fing mit 25 eine Ausbildung zur Krankenschwester an, schloss sie mit 28 ab und hatte mit Anfang 30 die ersten heftigen Alpträume.

Kurze Zeit später die erste Depression, die auch so benannt wurde. Klar hatte ich die ganze Zeit, die ganzen Jahre über »Anwandlungen« von Traurigkeit, aber es war mir nicht bewusst, dass sie ungewöhnlich sind. Kannte es ja nicht anders.

Klinikaufenthalte

Die Depression brachte mich auch gleich in die psychosomatische Klinik.

Dort blieb ich 9 Wochen, in welchen sich heraus kristallisierte, dass ich als Kleinkind missbraucht wurde. Anzeichen dafür gab es schon früher, aber sie wurden nicht wahrgenommen oder verdrängt.

Seitdem sind 15 Jahre vergangen, zwei weitere Klinikaufenthalte, etliche Therapieversuche, diverse Antidepressiva folgten.

Parallel dazu musste ich aufgrund meiner Rückenbeschwerden mit meiner Arbeit und Studium aufhören und verlor die Bestätigung, die ich daraus zog, was meine Depressionen verstärkte. Episoden, bei welchen ich bis zu 4 Wochen im Bett liege, schlafe, Fressanfälle bekomme und zunehme habe ich häufiger.

Seit 8 Jahren bin ich berentet

Wirklich weiter gebracht hat mich nichts, richtig geholfen auch nicht. In meiner ganzen »Laufbahn« traf ich nur einen einzigen Psychiater, der an mir Interesse hatte und nicht nur daran, mir Pillen zu verpassen und als erfolgreich behandelt abzuhaken und nur eine Psychologin, bei welcher ich mich verstanden fühlte. Leider hatte ich für diese keine ausreichenden finanziellen Mittel, die Kasse zahlte nicht.

Vor zwei Jahren erkrankte meine Mutter

Soweit ich noch ein Leben hatte, stellte ich es hinten an und pflegte sie im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Nach 12 Monaten starb sie, was mir den Boden unter den Füßen weg zog. Sie war immer voller Energie, hatte Träume und Pläne- war positiv bis zum Schluss. Ich vermisse sie sehr und oft frage ich mich, warum ich lebe und sie tot ist. Ich fühle mich nutzlos.

Aktuelle Situation

Jetzt, nach einem knappen weiteren Jahr denke ich, dass ich es meiner Mutter schuldig bin, mein Leben endlich zu leben und nicht zu verschlafen. Ich habe nächste Woche einen Gesprächstermin für eine Therapie.

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Depri-Blogger, 23.02.2010@15:26 # 1 -

Wieder so eine traurige Depri-Geschichte.
Ich bin ja wie du auch von Depressionen betroffen.
Was Therapien angeht, bin ich im Laufe der Jahre, immer mehr zu einem Skeptiker geworden.
Manchmal denke ich, dass Kranke dazu dienen krank zu bleiben, damit Psychologen und Ärzte an ihnen weiter verdienen können.
Das Gesundheitssystem dient nicht dazu, dass es sich überflüssig macht, sondern damit wir weiter auf die Pharmaindustrie vertrauen und weiter zu Ärzten tingeln.
Nach meiner Ansicht hilft Sport sehr gut, regelmässiger Schlaf, ein feststrukturierter Tagesablauf und kleine Tagesziele, um sich positive Aha-Erlebnisse zu holen.
Medikamente sind bestenfalls ein kleiner Anschub, um aus seinem Loch zu kommen und man verlässt sich zu gerne auf sie, denn wer will nicht, ohne Mühen ein glückliches Leben führen?

Depri-Blogger, 27.02.2010@20:14 # 2 -

Das Schlimme an Depressionen ist, dass dagegen fast kein Kraut gewachsen ist.
Jeder muss seinen eigenen individuellen Weg zurück ins Leben finden.

psychoMUELL, 28.02.2010@05:05 # 3 -

Ja sicher, es gibt immer Hoffnung, zumindest kann man sich das einige Zeit lang einreden.

— Daniel, 21.03.2010@01:30 # 4 -

Hallo Unbill,
ich, auch ein langjährig Depressiver, bin mit BSFF (einem Selbsthilfeprogramm zur Bearbeiten emotionaler Befindlichkeitsstörungen)
meine psychischen Schmerzzustände und meine Verzweiflung losgeworden und konnte einigen Menschen (auch mir selbst) plötzlich vergeben (wußte vorher gar nicht, daß das ein Problem für mich war). Natürlich bin ich jetzt noch nicht vollkommen gesund, aber wenn es einem auch nur 10% besser geht, dann hat es sich aus meiner Sicht schon gelohnt. Wünsch Dir auf jeden Fall alles Gute!

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