Jede Depression wird besser, sofern man sie überlebt †
Ulf und seine rezidivierende schwere Depression
In meiner Blogartikel-Reihe Gastartikel schreibt heute Ulf über seine wiederkehrende (rezidivierende) Depression.
Steckbrief von Ulf
Jahrgang:1972
Beruf: Krankenpfleger
Familienstand: getrennt lebend
Diagnose: F33.2 – Schwere rezidivierende Depression
Medikamente derzeit: Venlafaxin (Trevilor retard) 225mg, Risperidon (Risperdal) 2*1,5mg, Promethazin (Atosil) 0-25-25-50mg, Lithiumcarbonat (Quilonum retard) 450-0-675mg
Meine Kindheit war eigentlich eher glücklich
Die ersten Phasen kamen mit dreizehn Jahren, 1985, nach dem Umzug von Gießen nach Münster. Ich war saumäßig schlecht in der Schule, machte unregelmäßig Hausaufgaben, deshalb Stress mit den Eltern, und auch die ersten Suizidgedanken. Das Gefühl hielt sich über Monate, und ich konnte mich irgendwie niemandem anvertrauen, auch meinen Eltern vertraute ich mich nicht an. Irgendwann legte sich das wieder, bis es ein paar Jahre später wieder kam. Und wieder behielt ich es für mich.
1994 ging es mir wieder schlecht
Hinzu kam Liebeskummer, und ich entwickelte einen konkreten Plan, wie ich mich suizidieren würde- Als Auszubildender im Krankenhaus mit guten Pharmakenntnissen kein Problem. Irgendwie hatte ich aber Skrupel. Als ich dann 1995 Eine Freundin hatte, schien das Problem gelöst.
2002 hatten wir dann eine Ehekrise (mittlerweile waren wir verheiratet)
und ich beschaffte mir erstmals die benötigten Substanzen und versteckte sie in einer Schublade, um sie bei passender Gelegenheit anzuwenden. Meine Frau fand sie, und ich begann eine Psychotherapie. 10 Stunden, danach hatte sich das Problem vermeintlich erledigt.
2004 ging es mit mir abwärts
Ich fühlte mich ohne ersichtlichen Grund schlechter. Ich trank mehr als sonst, je schlechter, desto mehr, was natürlich nicht half. Ich begab mich 2006 wieder in Psychotherapie. Al es mir endlich richtig beschissen ging und ich gar nichts mehr hin bekam, schickte mich mein Therapeut zum Psychiater. Ich bekam zunächst Fluoxetin und Sulpirid, und erst schien es besser zu werden.
2006
Dann kam der totale Zusammenbruch, und meine Frau bestellte ein Taxi.
So kam ich in die Psychiatrie, was mir erst sehr unangenehm war, so dass ich nur meine Vertrautesten davon in Kenntnis setzte. Und nach sechs Wochen ging es mir wieder ziemlich gut, und ich wurde wieder in den Dienst eingegliedert und schaffte es auch, offen damit umzugehen. Das war im Herbst 2006.
Allerdings begleiteten mich immer wieder starke Stimmungstiefs, im Januar 2007 legte ich nochmals zwei Wochen Psychiatrie als Krisenintervention nach.
Im Sommer wurde es dann richtig RICHTIG schlimm, und als meine Frau mir dann auch noch eröffnete, sich von mir trennen zu wollen, verlor ich den Boden endgültig unter den Füßen und landete auf der Geschlossenen. Dort entwich ich einmal, um mich vor einen Zug zu werfen. Das ging nicht so richtig, also trank ich mir Mut an mit der Konsequenz, dass ich nachher zu betrunken war für dieses Vorhaben.
Als ich wieder zu mir kam, kehrte ich zurück auf die Station, die Polizei erfuhr, dass die Hundertschaft, die mich suchte, nach Hause konnte und ich bekam neue Pillen- Siehe Steckbrief ohne Quilonum.
Bald ging es mir besser (wenn auch nicht wirklich gut), ich entdeckte für mich die Malerei und bekam viel Anerkennung dafür. Danach ging ich dann in Reha.
Dort ging es mir dann wieder schlechter. Mein Zimmergenosse war Diabetiker, merkte aber schneller, als ich geahnt hatte, dass sein Insulin alle war. Das hätte sonst funktioniert. Ich kam mit Blaulicht auf eine Intensivstation, und als die akute Lebensgefahr vorbei war, nach Osnabrück in die Psychiatrie. Nach der Verlegung auf die Therapiestation suchte ich immer noch Möglichkeiten, mein Vorhaben umzusetzen.
Ende November 2007 ging es aufwärts
Anfang Dezember kam er dann, der Umbruch: mir ging es WIRKLICH besser, wollte nicht mehr sterben. Ich schaffte es, mir von Osnabrück aus eine Wohnung in Münster zu suchen usw. Als ich dort dann entlassen wurde, ging ich noch sechs Wochen in Münster in die Tagesklinik.
Ab dem 25.2.08 werde ich wieder in meinen Arbeitsplatz eingegliedert. Nach sieben Monaten Psychiatrie. Aber im Moment fühle ich mich gut. Ein Schatten liegt zwar noch auf meiner Seele, aber der ist nicht so zerstörerisch. Ich denke, ich werde jetzt ganz gut zurechtkommen.
Gastbeitrag von Ulf, seine WebseiteSchreibe einen Kommentar [5] Kommentar-Feed für diesen Artikel
was eine rezidivierende Depression ist, hat Ulf oben gesagt!
Eine wiederkehrende depressive Episode.
Eine Info von Ulf, wie diese Medikamente auf ihn wirken, wäre bestimmt interessant!
Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.