Jede Depression wird besser, sofern man sie überlebt †

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Wie lange noch?!

Seit über 10 Jahren höre ich ab und an die Aussage:

»Haben sie Hoffnung und weiterhin Geduld und geben sie nicht auf …«

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— Solveig, 28.02.2010@19:39 # 1 -

Ich bin gerade mal wieder in der Klinik – zum dritten Mal innerhalb eines Jahres. Ich habe keine Lust mehr, nur noch von einer Krise zur nächsten zu leben – unterbrochen von höchstens einer Woche normaler Stimmung! Es ging mir Ende letzten Jahres ganze zweieinhalb Monate lang gut – zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren – und begann gerade zu hoffen, daß ich endlich aus diesem ewig langen Tief herauskommen könnte. Dann schlug die Depression mit voller Härte zurück. Seit Ende Januar bin ich im Krankenhaus, und die Ärzte bereiteten bereits meine Entlassung vor, als die zweite heftige Krise zuschlug. Da durfte ich mir dann vorgestern anhören, ich sei schließlich nicht im Heim, sondern in einer Klinik! Toll! Ich fühle mich ja so wohl in der psychiatrischen Klinik mit ihrem miserablen Essen und überforderten jungen Ärzten ohne jegliche Therapie… Zum Glück kann man wenigstens mit einigen Mitgliedern des Pflegepersonals reden.

Ich bin jedenfalls an einem Punkt angelangt, an dem ich unbedingt eine Lösung für mein Problem brauche! Ich weiß, daß ich mich mit den Depressionen wohl abfinden muß – aber wenn ich wenigstens die Krisen auf ein erträgliches Maß beschränken könnte!!!
Ist das wirklich zu viel verlangt???

Depressionen sollen ja gut behandelbar sein, wie man überall lesen kann…

psychoMUELL, 01.03.2010@08:02 # 2 -

Solveig: Depressionen sollen ja gut behandelbar sein, wie man überall lesen kann

Ja das höre oder lese ich auch hier und da, das sind dann aber die Depressionen, die vermutlich nur ein oder zweimal als Episode auftreten und bei denen die Pillen tatsächlich gut anschlagen.

Ich habe nie eine normale Stimmung, das hieße für mich, ich wäre mal gut drauf, das bin ich aber nicht mal annähernd.

Menschen mit schweren oder chronischen Depressionen haben leider die Arschkarte, müssen sich irgendwie mit ihrem »Leben« und ihrer Depression arrangieren, hoffen oder eben den letzten Ausweg wählen

Krisen kann man wohl nur mit Gesprächen, besser mit Benzos überstehen.

@ Rosalie
Auf solche Kommentare hier würde ich wirklich sehr gerne verzichten.

Du meinst also Depressiven geht es nicht besser, weil sie nicht hart an sich selber arbeiten? Also sind die Depressiven selber schuld dran, wenn es Ihnen nicht besser geht?

Bevor ich mich noch richtig aufrege – mehr schreibe ich dazu nicht, du Rosalie hast überhaupt keine Ahnung.

Vielleicht solltest du so einen Müll mal in Depri-Foren ablassen.

Wo du sehr viele Menschen lesen kannst, bei deinen einfach nichts hilft!

Diese gibt es tatsächlich und das sind dann alles Versager, weil sie sich selber nicht heilen oder helfen können?!

— Tadea71, 01.03.2010@10:41 # 3 -

Hallo! Ich bin zufällig auf dieser Seite gelandet…. Ich leide seit 2007 an schweren Depressionen. KHS, Medikamente, Psychater..ich habe alles durch und auch sicher den Willen endlich wieder gesund zu sein. Leider hänge ich jetzt wieder in einer schweren depressiven Phase und muss wohl wieder ins KHS. Prima…für mich stellt dies irgendwo auch ein persönliches Versagen dar, was das Ganze nicht besser macht.

Der Kommentar von Rosalie ist eine Art Ohrfeige…auch wenn es vielleicht anders gemeint war… es bringt sicherlich keinen Spaß Depressionen zu haben und ich habe immernoch Probleme es selbst als Erkrankung zu akzeptieren, obwohl ich es im Kopf weiß. Ich denke immer wieder…du stellst dich an, reiß dich zusammen…aber das geht nicht… weil es eben nichts mit Faulheit oder Unlust in irgendeiner Form zu tun hat. Diese Krankheit hat einen voll im Griff, man kämpft und kämpft, doch es wird nicht besser. Die Medikamente konnte ich nachher aufgrund der massiven Nebenwirkungen nicht mehr nehmen. Das Absetzen war wie Drogenentzug… und jetzt fühle ich mich nicht anders als vorher…ich gehe davon aus, dass die Pillen eigentlich nichts großartiges gebracht haben. Mein Psychater sagte zu mir.. »Sie tun mir so leid, aber ich kann Ihnen nicht helfen!« … das freut das kranke Herz! Gott sei Dank habe ich ne tolle Hausärztin, die mir sehr hilft. Jetzt suche ich nen neuen Therapeuten… sehr frustrierende Angelegenheit, weil die ewigen Wartezeiten nicht gerade förderlich sind.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich mich sehr anstrenge… aber bei Depresionen handelt es sich nunmal nicht um ein gebrochenes Bein und bei Psychotherapie nicht um Krankengymnastik. Zu unterstellen, man würde sich nicht genug anstrengen, passt genau in die Schiene, wie die Gesellschaft Depressionen bewertet…da können sich noch 100 Robert Enkes und Alexander Mcqueens umbringen…. außer gut inzinierter, medialer Betroffenheit ist von einem Umdenken nichts zu merken!

— Gerhard, 02.03.2010@15:02 # 4 -

Hallo! Ich poste zum ersten Mal in diesem Blog. Seit 2 Wochen plagt mich die ichweissnichtwievielte Depression.
Heute morgen wäre ich jederzeit bereit gewesen, sofort in die nächste Klinik zu gehen. Ich habe mir ein zwar mühsames aber recht erfolgreiches Leben mit der Depression eingerichtet: Ich lebe in 30 Minuten-Einheiten. Danach mache ich 30 Minuten TaiChi oder Qigong oder ruhe mich nur aus. Jetzt kann ich wieder 30 Minuten einkaufen gehen, Fenster putzen oder auch in diesem Blog schreiben.Darauf folgen wieder 30 Minuten entspannen.
Es ist mühsam, aber es hilft mir, den Tag besser zu bestehen, weil ich mit den vielen Entspannungspausen zumindest für die halbe Stunde aus dem depressiven GeankenChaos ausgestiegen bin.

@Susanne :Ich finde Deinen Blog toll und er ist mir in manchen dunklen Stunden eine große Hilfe gewesen. Mach weiter so!
Gerhard *der sich nochnicht traut, einen eigenen Blog aufzumachen

psychoMUELL, 02.03.2010@17:34 # 5 -

Gerhard: Mach weiter so!

Weißt du, wenn man sehr lange depressiv ist, ist das Leben nur noch ein Glücksspiel …

— Gerhard, 02.03.2010@18:25 # 6 -

@ Susanne
Überlasse ich mich der Depression, ist es in der Tat ein Glücksspiel.
Mache ich mich zum Herrn über meine Zeit, und sei es nur die nächsten fünf Minuten, hab ich wenigstens für die nächsten 5 Minuten Macht über mich.
Mir hilft die StoppUhr meines Handys und eine MP3-CD mit ruhigen Stücken, die jeweils 5 Minuten dauern

psychoMUELL, 02.03.2010@18:32 # 7 -

Hallo Gerhard,
das kann vielleicht eine Zeit lang helfen. Nur irgendwann vermutlich nicht mehr, weil es irgendwann einfach reicht.
Aber dennoch, eine interessante Strategie, die du anwendest – kann ich noch nicht.

— Gerhard, 02.03.2010@19:24 # 8 -

Ich bin auch schon sehr lange depressiv;heute bin ich 50Jahre alt und es hat angefangen, als ich 12 war.
Gelernt habe ich die 5-Minuten vor 5 Jahren als ich in der Psychiatrie war. Seither hilft es mir gerade in den dunklen Tagen wie heute.
Die Fenster sind geputzt, der Arzt-und der Optiker-Termin sind geschafft.
Mehr kann ich heute nicht tun. Und das ist genug und gut so!

— Methera, 03.03.2010@22:04 # 9 -

bin auch eine »Depressive. Nehme schon lange Jahre Antidepressiva.
Kann aber allen Betroffenen nur raten in den schlechten Phasen
durchzuhalten. Es ist keiner selbst schuld. Sucht Euch Unterstützung
bei guten Psychotherapeuten.

Alles Gute
Methera

Depri-Blogger, 05.03.2010@20:04 # 10 -

Zum Glück habe ich auch mal normalere Phasen, aber meistens habe ich das Gefühl, als ob die Depression dann ganz leicht über den guten Gefühlen wie ein Leichentuch liegt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es möglich ist, durch eine gesunde Ernährung, mehr Sport, eine gute Psychotherapie, vll Medikamenten oder alternative Heilverfahren, einen strukturierten Tag, regelmässigen Schlafen und guten sozialen Kontakte die Depression einzudämmen.
Persönlich will ich vor dieser Krankheit nicht total resignieren und kapitulieren, sonst könnte ich mich auch gleich umbringen.
Allerdings ist jede Depression bei jeden Menschen anders.
Was beim anderen z. B. durch Sport Verbesserungen bewirkt, muss beim anderen nicht wirken.
Mit anderen Worte diese Erkrankung ist sehr vielschichtig und es gibt nicht den Ratschlag wie sie gerne Gesunde einem dann geben.
Aber es gibt Möglichkeiten neue Wege zu probieren, um damit besser klar zu kommen.
Heilung wirds in den wenigsten Fällen stattfinden, wenn sie chronisch ist.

— Solveig, 06.03.2010@11:58 # 11 -

Ich habe erst vor gut zwei Jahren angefangen zu akzeptieren, daß ich meine Depressionen vermutlich nie mehr loswerde – nachdem sie mich bereits seit rund 35 Jahren belästigen! Inzwischen weiß ich auch, daß Depressionen nicht nur aus Suizidgedanken bestehen (das war mein persönliches Diagnosekriterium), sondern viele weitere Symptome haben. Warum habe ich erst vor einem Jahr das erste Mal Psychoedukation gehabt? Bei anderen Erkrankungen ist es schon lange (teils seit Jahrzehnten!) üblich, die Patienten zu schulen, wie sie mit ihrer Erkrankung umgehen müssen! Warum hat ausgerechnet die Psychiatrie so lange gebraucht?

Bei mir sind die normalen Phasen mittlerweile ziemlich kurz geworden. Ich fürchte, daß mich die bevorstehenden Wechseljahre zur Dauerpatientin in psychiatrischen Kliniken machen werden. Immerhin habe ich drei der letzten 12 Monate schon in der Klinik verbracht – und die Wechseljahre haben noch nicht mal angefangen… Trotz der langen Aufenthalte und »Antidepressiva« (ich muß das Wort in Gänsefüßchen setzen, weil sie bei mir keine antidepressive Wirkung haben und erst recht keine Krisen verhindern) rutsche ich immer wieder in schwere Depressionen ab und kann diese mit ziemlich hoher Treffsicherheit sogar schon vorhersagen. Bevor jemand »self-fulfilling prophecy« ruft: im letzten Spätherbst hat es nicht funktioniert, obwohl ich mit sehr guten Gründen (u.a. zwei plötzliche Todesfälle im engen Familienkreis) eine schwere Depression erwartet habe. Meine gute Phase hat dieser Belastung tatsächlich standgehalten! Ich kann aber leider nicht sagen, warum es mir da gut ging, seit Januar aber wieder schlecht. Meines Erachtens habe ich nichts anders gemacht.

psychoMUELL, 07.03.2010@10:24 # 12 -

Solveig: Bei mir sind die normalen Phasen mittlerweile ziemlich kurz geworden

Nicht mal diese habe ich. Sicher habe ich mal Phasen, in denen es mir etwas besser geht, aber nie auch nur annähernd gut.

Vermutlich gibt es keine Statistiken, wie lange chronisch Depressive mit ihrer Erkrankung leben und eines natürlichen Todes sterben. Ich schätze mal, so etwas kann man auch nicht mal erfassen.

— Solveig, 07.03.2010@12:11 # 13 -

»Normale Phase« heißt bei mir nur, daß ich tagelang keine Suizidgedanken habe und auch keine traurige Grundstimmung! Es heißt keineswegs, daß ich wieder Antrieb habe, mein Zeug geregelt kriege, gut aufstehen kann etc. pp. Nur meine Stimmung ist dann im normalen Bereich!

— Gerhard, 07.03.2010@17:51 # 14 -

Es kostet mich immer wieder große Kraft, von den automatischen Gedanken und Gefühlen der Depression Abstand zu nehmen. Diese automatischen Gedanken und Gefühle sind ohne mein Zutun sehr mächtig und es ist für mich sehr wichtig geworden, aussteigen zu können.

Heute gab es im Wissenschaftsteil der »FAZ am Sonntag« einen langen Bericht über Depression. Forscher suchen nach der evolutionären Bedeutung von Depressionen, gefunden haben Sie nichts.

ilana, 08.03.2010@14:55 # 15 -

Hallo,

habe jetzt lange überlegt ob ich etwas schreiben soll, ich selbst kenne starke Depressionen – Gott sei Dank! – nicht – aber andere psych. Erkrankungen führen auch oft zu der Frage »Wie lange noch?«.

Ich mache jetzt seit 18 Jahren Therapie (Ostern beginnt das 19.) – und erst in den letzten eineinhalb Jahren hab ich das Gefühl, dass sich endlich was ändert. Die Jahre davor waren geprägt von der Frage »wie lange denn noch?« und dem ewigen »hat doch eh keinen Sinn«.

Sie waren auch geprägt von einer ständigen latent vorhandenen Suizidalität, die manchmal auch nicht so latent war – aber ich schaffte nie mehr als sie wenigstens »nur latent« zu verspüren.

Seit eineinhalb Jahren geht es aufwärts – langsam, mühsam, schmerzhaft – aber es ist anders als es die Jahre davor war.

Das lässt sich mit Depressionen nicht vergleichen – das weiß ich – und das möchte ich mir auch nicht anmaßen – bitte nicht falsch verstehen!

Aber das Durchhalten hat sich gelohnt – auch wenn noch sehr viel Arbeit vor mir liegt und auch heute oft genug vorkommt, dass ich mich frage »wie lange noch?« – aber irgendwie hat sich die Frage auch ein Stück verändert – das Gewicht, die Bewertung ist ein bisschen anders geworden.

Ich wünsche euch ganz viel Kraft – und Durchhaltevermögen – und Menschen, die euch begleiten und einen Kraftkeks reichen, wenn er nötig ist – oder ein Licht aufstellen – wenn ihr keines mehr sehen könnt!

liebe Grüße
Ilana

Tini, 10.03.2010@00:39 # 16 -

Tja… das können nur Leute sagen, die noch nie eine Depression hatten!!!

— Bernd Klingenberg, 12.03.2010@11:50 # 17 -

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, daß jeden Tag eine Stunde Sport, ein Medikament mit einem Serotoninwiederaufnahmehemmer in Verbindung mit einer Psychoterapie sehr gut hilft. Das Problem ist es
für jeden Einzelnen die richtige Sportart, das richtige Seratoninpräparat und den richtigen Psychoterapeuten und Neurologen zu finden. Habe einiges probiert und heute geht es mir gut. Leider haben es Kassenpatienten bei der Suche nicht gerade leicht!!

Gruß Bernd

psychoMUELL, 12.03.2010@12:17 # 18 -

Hallo Bernd,
ich denke, das Problem ist viel komplexer. Sicher gibt es Menschen, denen es durch Sport, Therapie und Ad besser geht – ich gehöre da leider nicht zu.

alex, 14.04.2010@16:03 # 19 -

ich bin leider auch etwas erfahren was diese themen betrifft…. manchmal mein ich ich bin über den »berg« und manchmal kotzt es mich einfach alles nur noch an, ne therapie hab ich mal angefangen allerdings als die therapheutin nach 2 terminen mich wieder loswerden wollte hab ich das aufgegeben….. hab mir dann das buch »kognitive verhaltenstherapie für dummys« gekauft und selbst an mir gearbeitet und brav weiter fluoxetin genommen. hats was gebracht – ich weiß es nicht. ich glaub ich spiel mir selbst nur wieder was vor und will von der posttraumatischen belastungsstörung den depressiven episoden und der angststörung wie der doc es nennt nix wissen

ich find es übrigens super das du über solche themen bloggst! riesen respekt….. ich hätte nicht den mumm dazu… trau mich nicht mal bei der tel. seelsorge anrufen…

und jetzt denk ich schon wieder so negativ, böse gedanken, husch weg

von euch mag sich nich zufällig jemand mit mir unterhalten? so ab und an per email?

psychoMUELL, 14.04.2010@17:14 # 20 -

alex: von euch mag sich nich zufällig jemand mit mir unterhalten? so ab und an per email?

Gerne. e-Mail

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