Jede Depression wird besser, sofern man sie überlebt †

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War das jetzt alles?

Ich beziehe mittlerweile einige Jahre eine befr. EU-Rente und bin nun fast 45 Jahre alt.

Seit über 10 Monaten gehe ich nicht mehr zu einem Psychiater (weil es mir nichts gebracht hat). Sehr viele Antidepressiva habe ich erfolglos ausprobiert.

Mein Alltag momentan gestalte ich wieder recht selbständig, d.h. ich kümmere mich um alles, was so anfällt, gehe alleine einkaufen, versorge die Katzen und die Wohnung.

Allerdings verschwende ich viel zu viel Zeit eher sinnlos im Internet, um aufkommende Langeweile zu bekämpfen. Eine erfüllte Hausfrau und Rentnerin bin ich nicht.

So kommt der Wunsch auf, wieder zu arbeiten, da die Rente sehr gering ist und ich Langweile habe. Vielleicht ist der Wunsch auch zu unrealistisch, da ich ja immerhin noch depressiv bin (vermutlich nicht mehr schwer depressiv) und mein Befinden ist alles andere als annähernd gut drauf!

Nur wie realistisch ist das? Ich bin fast 45 Jahre alt und ohne Arbeitgeber. Welcher Arbeitgeber würde jemanden mit meinem Hintergrund einstellen? Vermutlich keiner.

Eine Umschulung? Dagegen spräche mein Alter und ich weiß leider auch nicht wirklich, was ich machen will.

Somit verrinnt sinnlos meine depressive Lebenszeit.

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Ulf, 25.08.2009@08:20 # 1 -

Nun hat doch jeder größere Betrieb eine Schwerbehindertenquote zu erfüllen? Und mit Deinen Kenntnissen könnte man Dich doch sicherlich gut in der EDV und/oder zur Gestaltung der Webpräsenz gebrauchen?

psychoMUELL, 25.08.2009@08:23 # 2 -

Nur wie und wo fange ich dann an. Ich denke mal, dass der potentielle Arbeitgeber auch genügend Zuschüsse bekommen würde.

Aber ich vermute, hier sieht man dann mal wieder den Unterschied von Theorie und Praxis. Die großen Firmen werden erst mal die eigenen Schwerbehinderten auf diese Stellen setzen …

— Solveig, 25.08.2009@12:27 # 3 -

Hallo Susanne,

die Altersbegrenzung bei Umschulungen ist relativ! Ich habe kurz vor meinem 45. Geburtstag eine Weiterbildung über das Arbeitsamt begonnen und war keineswegs die Älteste im Kurs. Nach Ende des Kurses ein halbes Jahr später bin ich richtig abgestürzt und war dann mehr als ein halbes Jahr in einer psychiatrischen Tagesklinik. Noch nicht mal eine Woche nach meiner Entlassung schlug mir mein Arbeitsamtsberater eine erneute Weiterbildung vor – gerade mal ein Jahr nach Abschluß der letzten (normalerweise müssen drei Jahre zwischen zwei Maßnahmen liegen) und in meinem 47. Lebensjahr!

Ich würde an Deiner Stelle zunächst mal versuchen, eine Arbeitserprobung zu machen. Eine Bekannte von mir hat das gemacht. Bei ihr kam allerdings heraus, daß sie nicht mehr erwerbsfähig ist und Rente beantragen soll. Ich müßte mich allerdings erst mal erkundigen, wie das funktioniert und wer Ansprechpartner und Träger solcher Maßnahmen ist. Dazu komme ich allerdings erst wieder Mitte September…

Eine andere Möglichkeit wäre Arbeit auf 400-Euro-Basis. Wie es da mit qualifizierteren Tätigkeiten aussieht, kann ich allerdings auch nicht sagen… Das ist aber eine Möglichkeit, über die ich schon nachgedacht habe, wenn es mir mal besser gehen sollte. Derzeit ist das für mich aber nur ferne Zukunkunftsmusik…

Viele Grüße

Solveig

psychoMUELL, 25.08.2009@12:46 # 4 -

Hallo Solveig,

über einen 400 Euro Job habe ich auch schon nachgedacht. Hier wird aber hauptsächlich Putzen und Küchenhilfsarbeiten angeboten. Das wäre nicht das richtige für mich. Nein, auch nicht als Einstieg.

Ich mag solche Maßnahmen zur Arbeitserprobung nicht wirklich, die Träger (wie wohl alle) wollen nur Verdienen. Meine Erfahrung.

An die RV will ich mich noch nicht wenden, ich will mich erst mal zwanglos informieren. Morgen rufe ich hier das örtliche Integrationsamt an, mal sehen was die sagen.

— Ines, 26.08.2009@07:42 # 5 -

Zunächst einmal, liebe Susanne, muss ich sagen, dass mich dein Blogeintrag bewegt hat. Er zeigt meiner Meinung nach, dass du auf dem richtigen Weg bist und mit deiner Depression umgehen gelernt hast. Ich bin wirklich beeindruckt und drücke dir alle zur Verfügung stehenden Daumen, dass du einen Job findest, in dem du dich wieder beweisen kannst.

Lass dir auf keinen Fall wegen des Alters etwas einreden. Der Vergleich ich zwar nicht optimal, aber meinem Freund hat das Arbeitsamt nach dem Abbruch seines Studiums noch vor dem Vordiplom gesagt, er wäre nun zu alt für eine Ausbildung. Was für ein Humbug! Er war zwar tatsächlich schon über 25, aber im Nachhinein bedauern wir sehr, dass er sich das hat einreden lassen, denn ich habe danach sogar von über-40-Jährigen gehört, die nochmal eine Ausbildung machten…

psychoMUELL, 26.08.2009@07:44 # 6 -

Er zeigt meiner Meinung nach, dass du auf dem richtigen Weg bist und mit deiner Depression umgehen gelernt hast

Das hoffe ich auch, zwar noch recht unsicher …

Vielen Dank Ines für deine lieben aufbauenden Worte!

Horst , 01.09.2009@08:57 # 7 -

Allerdings verschwende ich viel zu viel Zeit eher sinnlos im Internet, um aufkommende Langeweile zu bekämpfen.

Falls es dir ein Trost sein sollte, das tue ich auch. Ich bin darüber manchmal sehr unzufrieden. Meine Frau darf ich darauf gar nicht ansprechen. Ich kann aufs Fernsehen verzichten aber nicht mehr aufs Internet. Da wird sich bestimmt noch ein riesiges Potenzial für Therapeuten entwickeln. Aber dies gibt es ja schon längst, wenn man sich diesbezüglich einmal umhört.

psychoMUELL, 01.09.2009@11:48 # 8 -

Falls es dir ein Trost sein sollte, das tue ich auch

Nur mit dem Unterschied, du gehst dazu noch arbeiten ;-)

nastorseriessix, 04.09.2009@09:32 # 9 -

Selbes Problem, wenn man es überhaupt so nennen mag/kann, habe ich auch. Allerdings bin ich erst/schon 26 Jahre alt/jung und habe bedingt durch meine mit unter extrem schweren Zeiten kaum Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt (doofe Bezeichnung)!

Die örtlichen Träger und Vereine sind nicht so das wahre, alle sehr primitiv aus meiner Sicht, kaum was mit Hand und Fuß und nur bedingte Möglichkeiten sich auf Einzelfälle einzustellen.

Meine Erfahrung ist die, das wenn man sowas wie »mittlere bis zeitweise schwere Depressionen« hat, dann ist man echt am Arsch so in puncto Vermittlung und dergleichen.

Aus dem Grund mache ich jetzt meine eigenen Sachen, Kleingewerbe angemeldet und jetzt probiere ich einfach mal was geht und was nicht geht. So kann ich wenigstens ETWAS machen, auch wenn das vielleicht nicht viel ist. Wenigstens eine Beschäftigung in eigener Verantwortung, wo ich mich nirgendwo anpassen muss oder auf irgendwelche bescheuerten Vorschriften und Regeln drauf achten muss.

Ist auch so schon schwer genug, in den düsteren Zeiten meines Lebens, da brauche ich echt nicht noch so nen Chef der mir tolle Ratschläge gibt oder Leute die keine Ahnung von Depressionen haben und meine das es gar nicht so schlimm sei und so weiter…

Man, ich schreibe mich hier grade wieder in was rein…

psychoMUELL, 04.09.2009@09:37 # 10 -

Sag, passt das Arbeitsagentur + Kleingewerbe?

Die voll bewegliche Tante, 24.09.2009@21:42 # 11 -

Ja, vor dem, was Du beschreibst fürchte ich mich auch, darum harre ich in meiner Behindertenhalbtagsstelle aus…

Aber Du schreibst doch gut. Wie wärs mit nem Buch? Gar im Eigenverlag?

Habe Dich heute in meinem Post verlinkt. Alles Gute wünsche ich Dir ganz herzlich!

psychoMUELL, 25.09.2009@07:46 # 12 -

Die voll bewegliche Tante: Aber Du schreibst doch gut. Wie wärs mit nem Buch? Gar im Eigenverlag?

Puh, keine Ahnung, wie so was geht bzw. wie man damit anfängt. Hast du da Erfahrung?

Die voll bewegliche Tante: Habe Dich heute in meinem Post verlinkt.

Danke für das Verlinken. Dich kannte ich noch gar nicht, schön dass ich was neues zu lesen habe.

Peba, 08.10.2009@02:14 # 13 -

Hey Susanne,

Deine Zeit verrinnt doch nicht sinnlos, Du schreibst doch hier und gibst vielen Lesern Tipps und Anregungen, wie sie die Depri besser überstehen können. Also wenn DAS nicht sinnvoll ist, dann weis ich auch nicht. Außerdem schreibst Du so interessant über andere verwandte Themen, die man sonst gar nicht so mitbekommt (siehe elektronische Gesundheitskarte).

Zum Thema Selbstverlag kann ich nur sagen: Ich hab das mal durchgerechnet und bin zum Entschluß gekommen, daß sich das kaum lohnt. Am Ende kriegst Du ein paar Euro pro verkauftem Buch, so daß Du jeden Monat mehrere hundert verkaufen müßtest, um davon leben zu können.

Aber mal ein anderer Tipp von mir: Du hast doch jetzt inzwischen 2 gute Blogs, die sicherlich auch gut besucht werden. Warum nicht damit etwas Geld verdienen?

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